Am 9. Oktober 2019, dem höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, greift ein rechtsextremer Terrorist erst die Synagoge in Halle, dann den nahe gelegenen Kiez-Döner an. Im Laufe seines Anschlags ermordet er zwei Menschen und reißt viele Weitere in Halle und Wiedersdorf (Sachsen-Anhalt) für immer aus ihrem vertrauten Leben. Ein zweiteiliges, bei Spector Books in Leipzig erschienenes Publikationsprojekt dokumentiert detailliert den Gerichtsprozess und eröffnet einem interessierten zivilgesellschaftlichen Publikum Hintergründe und Perspektiven.
Am 28.04.2023 stellen die Mitherausgeber*innen des zweiten Bandes beide Bände “Der Halle-Prozess: Mitschriften”, “Der Halle-Prozess: Hintergründe und Perspektiven” in der Roten Flora in Hamburg vor, geben Einblicke in den Entstehungsprozess und lesen Auszüge vor. Anschließend wird es die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen und ins Gespräch zu kommen.
Backtipps, Flechtfrisuren und Landschaftsbilder oder im Dirndl vor den Alpen: Auf den ersten Blick wirken viele wie vermeintlich harmlose Influencerinnen. Tatsächlich sind sie Aktivistinnen mit einer rechtsextremen Ideologie. Frauen aus der rechtsextremen Szene nutzen bewusst diverse Plattformen wie Instagram, YouTube und TikTok, um ihr rechtsextremes Weltbild persönlich und emotional verpackt bei einem großen jungen Publikum zu verbreiten. Propaganda war schon immer ein entscheidender Teil rechtsextremer Öffentlichkeitsarbeit und Frauen wurden und werden hier gezielt eingesetzt, um ungefährlich zu scheinen. Über die verschiedenen Inszenierungsformen und Strategien rechtsextremer Influencerinnen wird Kira Ayyadi am Freitag den 24. März bei uns sprechen.
Kira Ayyadi ist Journalistin und arbeitet seit 2017 als Redakteurin bei Belltower. News, der Informationsplattform der Amadeu Antonio Stiftung. Hier schreibt sie zu den verschiedenen Facetten von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und recherchiert zu Strategien der alten Rechten und der „neuen“ Rechten. Sie recherchiert sowohl in digitalen Sphären wie auch offline auf rechtsextremen Veranstaltungen.
Hip-Hop gilt als die einflussreichste Jugendkultur der Gegenwart. In Deutschland hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten der Gangsta-Rap zum ökonomisch erfolgreichsten Subgenre entwickelt. Darin zählen hypermaskuline und misogyne Machtfantasien zu den Leitmotiven in der Selbstinszenierung der meist männlichen Künstler. In ihren Liedtexten und Musikvideos vermitteln sie zudem autoritäre Moral- und Gesellschaftsvorstellungen, in denen häufig auch verschwörungsideologische und antisemitische Interpretationen globaler Herrschaftsverhältnisse zum Vorschein treten. Der Vortrag geht der Frage nach, inwiefern sozial- und herrschaftskritische Texte und Äußerungen deutschsprachiger Gangsta-Rapper antisemitische Deutungsmuster enthalten? Welche (tradierten) anti-jüdischen Motive spiegeln sich dabei explizit oder implizit wider? Und welche Rolle spielen dabei genrespezifische Semantiken, Männlichkeitskonstruktionen und autoritäre Gesellschaftsvorstellungen?
Jakob Baier ist Politikwissenschaftler und forscht an der Universität Bielefeld zum Thema Antisemitismus in der Kulturproduktion und Verschwörungsideologien in modernen Medien. Zuvor war er Lehrbeauftragter für deutsch-jüdische Bildungsgeschichte sowie für die Zeitgeschichte und Gegenwart des Antisemitismus an der Universität Kassel. Im Rahmen seines Dissertationsprojekts beschäftigt er sich mit Antisemitismus im deutschsprachigen Gangsta-Rap. Zudem ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Prävention und Intervention im Kindes- und Jugendalter (ZPI) der Universität Bielefeld.
»Abolitionismus« bezeichnet sowohl einen theoretischen Ansatz als auch eine politische und soziale Bewegung, die sich für die Überwindung staatlicher Gewaltinstitutionen wie Gefängnis und Polizei einsetzt. In der Tradition des Kampfes gegen die Versklavung schwarzer Menschen betonen Abolitionist:innen die rassistische Geschichte staatlicher Gewaltapparate und ihre Komplizenschaft mit Formen kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung. In einem kürzlich erschienenen Reader haben Vanessa E. Thompson und Daniel Loick die wichtigsten Stimmen dieser internationalen Bewegung auf Deutsch zugänglich gemacht. In der Veranstaltung werden zentrale Themen und Motive aus der abolitionistischen Theorie und Praxis vorgestellt.
Daniel Loick ist Philosoph und lebt in Frankfurt und Amsterdam.
Kommt vorbei. Es wird nicht nur um Seenotrettung und vor allem ihre Kriminalisierung gehen. Denn in ganz Europa wird gegen Solidarität und noch mehr gegen Fliehende selber vorgegangen. Ob es die Verweigerung von Rettungen ist, das Festsetzen von NGO-Schiffen, illegale Pushbacks, die Zustände in europäischen Lagern oder auch das alltägliche Weggucken von eigentlich fast Allen in Europa. Es gibt genug zu berichten, zu meckern und zu pöbeln. Antje, Hendrik und Dariush waren auf dem Mittelmeer, auf Lesvos, wurden kriminalisiert und haben jede Menge Wut angesammelt.Wer einen refresher braucht, warum wir dringend einen #SystemWechsel brauchen oder wer einfach wissen möchte, was für Schweinereien im Namen Europas täglich passieren – sollte unbedingt vorbeikommen.
Die AfD hält den Klimawandel für Hysterie und Verschwörung, während Neonazis in Randlagen als Ökolandwirtschaft Betreibende siedeln und völkische Ideologen die Deutungshoheit über Heimat und Natur anpeilen. Die einen verteidigen Kohleabbau, Flugreisen und Fleischkonsum, die anderen agitieren Umweltschützer*innen und Globalisierungskritiker*innen, die Volk und Nation und die Vielfalt der Kulturen bewahren wollen, als handele es sich um verschiedene Tier- und Pflanzenarten.
In der falschen Vorstellung, der Planet sei überbevölkert, finden Nazis mit Liberalen und Konservativen, Tiefenökolog*innen und Biozentrist*innen zusammen. Greenpeace-Gründer Paul Watson beschimpft den Menschen als Virus, welches die Erde befallen habe. Solche Menschenfeindlichkeit stößt in der Mitte der Gesellschaft auf große Resonanz.
Der Vortrag bietet einen Überblick über aktuelle Positionen der Rechten im Umweltbereich, einen historischen Rückblick, behandelt ideologische Schnittstellen und wirft zuletzt die Frage nach einer emanzipatorischen Perspektive auf.
Peter Bierl ist freier Journalist, Mitglied der Gewerkschaft Verdi und lebt in der Nähe von München. Zuletzt sind von ihm erschienen „Unmenschlichkeit als Programm“ (2022), „Die Legende von den Strippenziehern: Verschwörungsdenken im Zeitalter des Wassermanns“ (2021), „Die Revolution ist großartig – Was Rosa Luxemburg uns heute noch zu sagen hat“ (2020) sowie „Einmaleins der Kapitalismuskritik“ (2018).
Seit September 2021 läuft am Oberlandesgericht Dresden der erste Gerichtsprozess im Antifa-Ost-Verfahren gegen die militante Antifa in Thüringen und Sachsen. Im Juni 2022 kam heraus, dass der Mitbeschuldigte Johannes Domhöver, der bereits zuvor wegen sexualisierter Gewalt aus der Bewegung ausgeschlossen worden war, umfassende Aussagen gemacht hat und als Kronzeuge ins Zeugenschutzprogramm aufgneommen wurde.
Zwei Genoss*innen aus Thüringen werden einen Überblick über den aktuellen Stand des Verfahrens und über die bald zweijährige Untersuchungshaft der Angeklagten Lina geben. Außerdem wollen sie über die Folgen des politischen Verrats für das Verfahren und für uns insgesamt sprechen und die Diskussion über sexualisierte Gewalt und Täterschutz in unserer Bewegung aufgreifen.
Eine Vorabendveranstaltung zum diesjährigen Schanzenfest, das ja unter dem Motto der Solidarität mit angeklagten Antifaschist*innen steht.
Die rechten Vorfälle in deutschen Sicherheitsbehörden häufen sich. Ein besonderer Fall zeigt sich im sogenannten Hannibalnetzwerk. Die organisierte Gruppe bereitete sich auf einen faschistischen Umsturz vor, fertigte eine Todesliste mit 25.000 Personen an und hortete zu diesem Zweck zahlreiche Waffen und Munition. Ein Schießplatz in Güstrow, Mecklenburg-Vorpommern war das infrastrukturelle Rückgrat der Untergruppe Nordkreuz, über die wir bei der Veranstaltung berichten werden.
Ein großer Aufschrei blieb bisher aus und es bleibt wie gehabt: Antifa ist Handarbeit! Am 16. Juli 2022 mobilisiert deshalb das Bündnis “Ihr seid keine Sicherheit” zu einer bundesweiten Demonstration nach Güstrow.
Aus Hamburg und aus anderen Städten wird es am 16. Juli einen gemeinsame Busanreise nach Güstrow geben. Tickets und Infos zur Anreise aus Hamburg bekommt ihr auf der gemeinsamen Mobiveranstaltung am Freitag den 24. Juni in der Roten Flora. Wir öffnen um 19 Uhr, die Veranstaltung startet um 20 Uhr.
Aufruf Ihr seid keine Sicherheit! https://www.ihrseidkeinesicherheit.org/demo-in-guestrow/aufruf-demo-in-guestrow/
Lesung mit Tobias Ginsburg
“Die letzten Männer des Westens –
Antifeministen, rechte Männerbünde und die Krieger des Patriarchats”
Für den kommenden Tresen freuen wir uns sehr Tobias Ginsburg als Gast bei uns begrüßen zu dürfen. Tobias ist nicht nur großartiger Schriftsteller und Regisseur – er ist auch ein echter Hochstapler. Für seine Bücher schleust er sich undercover dort ein, wo man besser keinen Fuß hinsetzen sollte: Er lebte schon unter Reichsbürgern und in einer Sekte, infiltrierte rechtsextreme Burschenschaften, eine Bande militanter Neonazi-Rapper oder ein internationales Netzwerk schwulenhassender Klerikalfaschisten. Die Geschichten, die Tobias erzählt, sind so erschreckend wie komisch – und sie berichten von Gefahren, die uns allen viel näher sind, als wir denken.
Neben Auszügen aus seinem Buch „Die letzten Männer des Westens“ servieren wir wie immer Kaltgetränke und laden euch im Anschluss an die Lesung zum Kneipenabend ein.
In Kooperation mit Black Mosquito & dem Antifa Tresen
Operation Solidarity
Film & Gespräch mit ukrainischen Anarchist*innen.
Für uns als radikale Linke kann es derzeit nur einen positiven Bezugspunkt im Ukraine-Krieg geben: unseren Genoss*innen, gefährt*innen und Freund*innen, die sich entschieden haben mit oder ohne Waffen gegen Faschismus und (russische) imperialistische Großmachtsphantasien zu kämpfen.
Wir haben viele Fragen, vieles ist für uns hier schwer nachzuvollziehen und trotzdem sind wir solidarisch. Kmmt vorbei, stellt Fragen und lernt die Situation vor Ort kennen.